Schein, Schein - zwei müssen es schon sein
Eigentlich wollte ich ja nie wirklich auch nur einen einzigen Segelschein machen. Gründe? Gibt’s genug - doch die sollen hier mal keine Rolle spielen. Aber es kommt ja bekanntlich immer anders als man denkt. Doch der Reihe nach.
Es begann damit, dass Helge mich im Juli fragte, ob wir nicht im Winter ‘n Segelschein machen wollen. Aus einer Laune heraus sagte ich “Ja”. Erst danach haben wir uns mal so informiert, was es eigentlich heißt “einen Segelschein machen”. Im Endeffekt kamen wir zu dem Schluss, alles auf einmal zu erledigen. Dass heißt den Binnenschein für Motor und Segel sowie in der ersten Stufe den SBF See um später dann den SKS anzugehen. Wobei uns von Anfang an, der SBF See am wichtigsten war.
Ende Juli kam Helge vorbei und sagte, dass es am Samstag, den 24. August, mit Theorie für Binnen losgeht. Am Sonntag wäre dann Theorie für See. So verlegte Helge also den Winter in den August und wir verbrachten das vorletzte August-Wochenende gemeinsam mit anderen Leuten im Theorieunterricht bei Volker und Chris.
Der nächste Prüfungstermin wäre der 13. September. Entsetzt lehnte ich ab. Wann sollte ich die Theorie lernen? Immerhin umfasst der Fragekatalog für Binnen Motor und Segeln zusammen 495 Fragen. Dazu kommen dann noch mal 342 Fragen plus zwanzig Navigationsaufgaben für den SBF See.
Nach dem Septembertermin gab es aber nur noch einen Termin in diesem Jahr, an dem auch die praktische Segelprüfung abgenommen wird: der 11. Oktober. Wir entschieden uns also für den Oktobertermin.
Es folgte die Praxis mit holprigen Anlegemanövern beim Motorbootfahren und Flauten, wenn wir Segeln wollten. Und nie Zeit für die Theorie. Und dann stand da auch noch eine Urlaubsreise nach Rügen in der Prüfungswoche an. Das hieß: In den Tagen vor der Prüfung wird es keine Praxis mehr geben.
Bewaffnet mit allen möglichen Unterlagen fuhr ich in der Prüfungswoche in “mein Theorie-Trainingslager” nach Rügen. Auf Strandspaziergängen wurde ich abgefragt: “Was ist die seemännische Sorgfaltspflicht und wie wird sie erfüllt” oder “Was bedeutet das Schallsignal xyz” oder, oder, oder … Jeden Abend wurden dann vier Fragebögen “abgehört” und bewertet. Ich hatte das Gefühl, dass meine Freundin durch das dauerhafte Abfragen mehr wusste als ich.
Bereits auf der Fahrt nach Rügen hatte ich mich entschieden: Ich werde den SBF See in Theorie und Praxis machen. Das spart die praktische Prüfung für den Binnen-Motor-Teil. Zusätzlich wollte ich für den Binnenschein nur die praktische Segelprüfung ablegen, da es ja in diesem Jahr die letzte Möglichkeit war. Die Theorieprüfung Binnen für alles wollte ich dann zu einem späteren Zeitpunkt ablegen.
Das Training zeigte langsam Wirkung und in den letzten zwei Tagen vor der Prüfung fühlte ich mich beim Theorieteil für den SBF See ziemlich sicher. Wieder zu Hause angekommen, eröffnete ich Helge meine Entscheidung, die Binnentheorie auf später zu verschieben. Er schloss sich dem an.
Und dann war er da: Der Prüfungstag, der 11. Oktober 2008. Wir trafen uns morgens und fuhren gemeinsam mit Volker per Motorboot zur Prüfung. Die Jolle seitlich im Schlepp wurden unterwegs noch mal Knoten geübt.
Um 10:00 Uhr begann endlich die Theorieprüfung. Nach fünfzig von fünfundsiebzig Minuten gaben Helge und ich ab. Wir waren uns sicher es geschafft zu haben. Wie ich später erfahren sollte, hatte ich tatsächlich sechsundsechzig von sechsundsechzig möglichen Punkten erreicht.
Es folgte die Praxisprüfung für den SBF See auf dem Motorboot, die wir beide bestanden. So, nun wollten wir endlich unseren Schein abholen um dann noch die Segelpraxis zu erledigen. Aber wir bekamen ihn nicht, da die Theorie noch nicht ausgewertet war. Also immer noch keine erlösende SMS, an alle die, die Daumen drückten. Wir beschlossen Kaffee trinken zu gehen.
Und wie wir da so bei unserem Kaffee saßen, kam Volker vorbei und fragte uns etwas entsetzt, was wir da tun und warum wir keine Theorie Binnen schreiben würden. Wir sagten ihm, dass wir das heute nicht vorhatten und nur noch Segeln wollten. Er sagte uns, dass das so nicht ginge und wir zwingend Binnentheorie machen müssten. Und zwar heute und jetzt!
Also gingen wir in der Gewissheit wohl durchzufallen zur Theorieprüfung Binnen. In etwas mehr als einer halben Stunde schrieben wir zu den fünfundvierzig Fragen des Bogens alles auf, was uns einfiel und bestanden anschließend erfolgreich die Segelpraxis.
Mittlerweile war es 13:15 Uhr und wir wussten eigentlich immer noch nicht, ob wir den für uns wichtigen SBF See wirklich bestanden hatten. Also gingen wir dorthin zurück, wo die heiß begehrten Scheine ausgegeben wurden. Vor der Tür stand eine größere Gruppe Leute. Einige von ihnen mussten noch zur mündliche Prüfung für den Binnenschein. Jetzt wurden wir doch etwas nervös: Hoffentlich bleibt uns das erspart, denn immerhin hatten wir uns auf den Binnenteil so gut wie nicht vorbereitet.
Plötzlich wurden dann alle auf einmal in den Raum gebeten. Alle, die mit uns jetzt noch da waren, hatten nur Binnen gemacht. Wir waren die Einzigen, die auch den SBF See gemacht hatten. Alle erhielten ihre Scheine, nur wir nicht. Und dann hieß es: Sie beide kommen mal mit. Schluck!
“So, bitte unterschreiben Sie bitte hier!”
Und schon hatte ich ihn: den SBF See!
“Danke, und dann noch bitte hier!”
Und was hielt ich jetzt zusätzlich in den Händen? Meinen Schein für Binnen Motor und Segeln!
Gleiches Spiel bei Helge. Etwas ungläubig verließen wir den Raum. Wir hatten tatsächlich beide Scheine geschafft, obwohl wir uns nur auf den einen intensiv vorbereitet hatten. Unglaubliche Freude und dann konnten wir endlich auch der erlösende Anrufe tätigen, dass wir alles geschafft hatten.
Morgens um halb sieben waren wir aufgebrochen und nachmittags um halb fünf doch redlich erschöpft wieder zu Hause - empfangen mit Sekt und Blumen. Und um diese Scheine “reicher”:
Danke an alle, die mit uns “gelitten” haben.





Oktober 22nd, 2008 um 09:27
[...] zwei für mich relativ aufregenden und spannenden Wochenenden fand letzten Donnerstag das Konzert von Heather Nova im Columbia in [...]